Hai Hai heißt Leck mich am Arsch

Eigentlich sollte im ersten richtigen Eintrag das erste Wochenende im Fokus stehen. Das muss jetzt warten, denn es gibt dringendere Sachen zu berichten. Gemeint ist damit der Bürokratie-Dschungel, den man hier vorfindet.

Das Personalbüro wartet

Am gestrigen Morgen hat mich Mori-sensei, mein ‘Professional Advisor’, im Hotel Primo (am Bahnhof) abgeholt. Natürlich habe ich schon meine zwei ‘Rice Balls’ mit Miso-Suppe vertilgt. Das japanische Frühstück ist etwas gewöhnungsbedürftig – wenn die Suppe aber frisch ist (nicht älter als eine Stunde), dann schmeckt sie gar nicht so schlecht. Je länger man sie einkochen lässt, desto stärker und ungenießbarer wird sie. Die in Algen (oder auch nicht) eingewickelten Reisklumpen haben meist eine fischige Füllung – es gibt sie auch mit Pflaumen und ähnlichem – schmecken sehr gut und sind zu nahezu jeder Tageszeit ein ausgezeichnetes Häppchen. Dazu gab es Kaffee. Der war sogar sehr viel besser als erwartet. Dann hieß es ab in die Universität zum Formulare ausfüllen.

Dort angekommen, blieb nicht viel Zeit irgendetwas zu machen, denn Mori-sensei hat doch etwas knapp kalkuliert. Je nach Tageszeit braucht man für den Weg vom Bahnhof bis zur Universität zwischen 10 und 45 Minuten. Die Strecke ist etwa 7 km lang und als ich am Wochenende durch Mito-shi geirrt bin habe ich etwa zwei Stunden gebraucht (einige Umwege inklusive, dazu mehr in einem anderen Eintrag). Das Personalbüro war schon da und hat freundlich auf uns gewartet. Zusammen mit Mori-sensei und Ishitsuka-san (Ishi-san) saß ich dort und war Zentrum der Aufmerksamkeit. Verstanden habe ich nicht viel (= nichts), es ging aber um Arbeitsvertrag und Pension Fund und ähnlichem. Unter Anderem wurde mir dort erklärt, dass ich jeden Tag zum stempeln kommen soll (The Daily Stamp – about). Das Gespräch dauerte etwa eine Stunde und einmal stempeln durfte ich dann auch schon.

Ganz offiziell anmelden

Am Flughafen Narita habe ich ja schon meine ‘Residence Card’ ausgehändigt bekommen. Diese Karte ist etwa so groß wie der neue Personalausweis und hat auch eigentlich genau die gleiche Funktion. Auf der Rückseite wird dann die Adresse eingetragen (es ist Platz für mehrere). Um das zu machen, muss man zum Bürgerzentrum oder auch Mito City Office.

Ishi-san ist gefahren und Konno-san hat uns begleitet. Natürlich waren wir zuerst am falschen Ort, denn selbst Ortskundige haben es hier sehr schwer. Hausnummern in Straßen oder Bezirken werden nämlich nach der Reihenfolge der Beantragung vergeben. Und daher kann sich das abzusuchende Areal schnell vergrößern. Ein gutes Navigationssystem ist sehr empfehlenswert, wenn man aber gar nicht so genau weiß wo man hin will, hilft das aber auch nicht so viel. Das hatte jetzt aber eigentlich gar nichts damit zu tun, das wir falsch waren. Ishi-san und Konno-san waren unterschiedlicher Meinung – gewählt wurde natürlich die falsche, Murphy sei Dank.

Im richtigen Büro angekommen, gab es dann wieder Formulare. Zu diesen Formularen gab es dann auch noch schönes Chaos. Die Adresse des Suiko So (Universitäres Gästehaus mit Hotelcharakter) war nämlich nicht ganz so einfach zu verstehen. Und da musste dann ein wenig diskutiert werden mit anderen Angestellten, aber am Ende wurde die Adresse dann doch akzeptiert. Anschließend gibt man seine Residence Card ab und darf warten. Und das nicht zu knapp. Wen wundert das aber, wenn dann die Adresse mit winzig kleinen Kanji-Zeichen per Hand aufgeschrieben (aufgemalt) wird. Der ganze Vorgang hat dann noch 700 Yen (ca. 5 Euro) gekostet, aber ich war offiziell in Japan angemeldet. Wenn ich mich an Marburg zurück erinnere, so konnte dieser Vorgang auch mal ein bisschen länger dauern.

In der Bank Kanji malen

Nächster Stop war die Joyo-Bank, denn wer Geld empfangen will, der braucht ein Konto. Den Antrag musste ich eigenhändig ausfüllen. Dazu hat mir Ishi-san die Kanji ganz groß auf einen Zettel geschrieben und die habe ich in eine winzig kleine Zeile abgemalt. Dann muss man den geliebten Stempel abgeben. Dieser Stempel ist ja ein offizielle Siegel und da braucht man ein wenig Übung, damit das richtig aussieht. Das konnte die Bankangestellte doch sehr viel besser als ich. Aber wer weiß wie viele hundert Stempel sie jeden Tag machen muss.

Dann werden die Formulare ausgewertet und das Kontobuch erstellt. Solange muss man natürlich warten. In dieser Zeit darf man sich dann eine PIN ausdenken. Wenn man aufgerufen wird, gibt man sie ein und bestätigt sie und dann darf man sie nicht vergessen, denn es gibt ja kein Schriftstück wo man sie nachschauen kann. Das muss dann alles noch gespeichert werden und dann wird das Sparbuch erstellt. Solange darf man sich wieder setzen und warten. Als Belohnung erhält man ein Buch, mit dem man am Automaten abheben kann. Nie wieder Kontoauszüge verbummeln. Ishi-san hat mir gezeigt wie einzahlen und auszahlen geht, aber ich weiß nicht mehr wie es geht und auch nicht wo die Bank ist. Aber das lässt sich wieder heraus finden.

Im Übrigen ist Japan ein Bargeld-Land. Und eigentlich noch viel schlimmer, ein Kleingeld-Land. Da hilft mir mein schönes neues Leder-Portemonnaie natürlich nicht mit seinem winzig kleinen Geldfach. Die meisten Produkte kosten zwischen 200 und 300 Yen, der kleinste Schein ist jedoch der 1000 Yen Schein. Es gibt Münzen im Wert von 500, 100, 50, 10, 5 und 1 Yen. Wenn man also eine Flasche Wasser 147 Yen kauft, ist das Portemonnaie wieder voll. Praktisch an jeder zweiten Häuserecke stehen jedoch ein bis drei Automaten, an denen man das Kleingeld wieder los wird. Ein größeres Portemonnaie brauche ich trotzdem.

Hunger tilgen am Konbini

Ein Konbini ist ein Konsum. Ein Konsum ist die Ostdeutsche Variante von Tante-Emma-Laden. Entstanden ist dieses Wort aber aus dem Amerikanischen, nämlich von Convenience Store. Dank japanischer Silbensprache wurde einfach Konbini draus. Dort kann man so ziemlich alles kaufen was man gerade braucht und von einem zum nächsten Laden sind es selten mehr als zweihundert Meter in der Stadt. Das ist sehr praktisch, denn falls man ein Getränk möchte, muss man nicht zum Automaten.

Da sich zum Früh-, Mittag- und Abendessen die Speisen nicht sonderlich unterscheiden, kann man sie jederzeit dort erstehen. Die Auswahl geht bei Sandwiches los, geht mit Sushi weiter, und hört bei Rice Balls noch lange nicht auf. Nur logisch, dass wir zur Mittagszeit im Kombini eingefallen sind und uns frisch gestärkt haben, denn es ging weiter zum Wohnung anschauen.

Das Universitäts-Wohnheim für Gast-Studenten und -Wissenschaftler

In diesem Haus habe ich mir zwei Appartements angesehen: Ein Billiges (ca 7.000 Yen/M) und ein teures (ca. 20.000 Yen/M). Diesen Unterschied hat man auch gesehen. Und auch das teure ist für japanische Verhältnisse noch sehr billig und auch purer Luxus. Dumm nur, dass das nur für Studenten vergeben werden darf. Da ich das nicht bin, bleibt es bei einem kleinen Zimmerchen, das aber auch noch groß ist im Vergleich zum japanischen Standard. Seid neugierig.

Zurück an der Universität

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen werde: Endlich wieder zurück am Arbeitsplatz! Es gab ja eine Menge zu verdauen und da war ein bisschen rumsitzen genau das Richtige. Und spät war es mittlerweile auch schon wieder. Nicht mehr lang und es war Feierabend. Zumindest hier an der Uni nimmt man das mit den Arbeitszeiten noch recht ernst. Man kommt um 9.30 Uhr, arbeitet acht Stunden, machte eine Stunde Mittag, also geht man auch wieder um 18.30 Uhr nach Hause. Oder was Essen.

Japanische Küche, Level: Inder

Vielleicht wollten Sie mich nicht gleich überfordern, vielleicht weil sie es gern essen, vielleicht auch nur weil es günstig ist. Der erste Ausflug ging zum Inder. Und ich bin so kühn und behaupte: Indisches Essen ist in jedem Land eine Herausforderung für die Verdauung. Geschmeckt hat es sehr gut und satt geworden ist jeder. Brot und Salat konnte man haben so viel wie man will.

Einen kleinen Umweg haben wir, also die gesamte Arbeitsgruppe noch gemacht, zum Mega-Store. Den werde ich mir auch bald nochmal genauer vornehmen. Problematisch war, dass die Temperatur an diesem Tag von morgens 14 °C auf 0 °C am Abend abgesunken war. Wir hatten also alle nicht genug an.

Zum Essen gab es dann ein Bier. Als es um das zweite ging wurde kurz diskutiert, dass ja heute erst Montag ist. Am Freitag fährt die Gruppe nach Chiba auf eine Konferenz, da soll dann auch der Sake fließen.

Am Nachbartisch saß ein sehr alter Japaner, mit nicht sonderlich guten Manieren. Auch wenn ich nichts verstanden haben, so ist doch klar gewesen, das er “a little crazy” ist, wie einer der Kollegen mir dann verraten hat. Vielleicht war er aber auch einfach nur betrunken. So kam es aber, dass der besagte Japaner vom Tisch aus den freundlichen Inder angepöbelt hat. Der entgegnete Ihm ein recht rüdes ‘Hai, Hai’. Während ein ‘Hai’ die geläufigste Version des Ja ist, ist die Verdoppelung etwas, was kein Japaner in seinem Leben häufig sagen würde. Vielleicht lag ja beim Inder die Hemmschwelle auch niedriger, verstehen konnte ich ihn ganz gut. Und am Tisch haben auch alle gelacht.

Nach beendetem Mahl hat uns Ishi-san wieder abgeholt – er musste leider arbeiten. Begrüßt wurde ich von Ihm mit den Worten: ‘Ich möchte auch gern Alkohol mit dir trinken.’ Am Freitag dann. In Chiba. Dann hat er mich ins Suiko So gebracht und der Tag war vorbei. Schnell noch eine heiße Dusche zum aufwärmen und dann ab ins Bett, es war ja schon fast um zehn. Und ich hatte natürlich keine Ahnung von der Heizung. Der nächste Tag wartet ja schon…

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3 responses to “Hai Hai heißt Leck mich am Arsch

  1. Junge! Vorsicht vor dem indischen Essen;) du weißt, was in Wolves passiert ist;) – aber wenigstens mit Bier-Trinken kennste dich ja aus. D.H. du hast jetzt deinen eigenen Stempel den du überall drauf drückst als quasi-Unterschrift? oder hab ich das falsch verstanden.

    • Ja, die eine Nacht in Wolves – das war ein Spaß!
      Und das mit der Unterschrift hast du genau richtig verstanden. Ich geh mal davon aus, dass das daher kommt, dass die nicht ständig ihre Kanji aufmalen wollten. Ich finde das aber ganz putzig.

      • jo coole Sache eigentlich… je nach Länge des Names, nervt es hier ja auch ständig Sachen zu unterschreiben;)

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