Fröhliche Socken an der Universität

Eine geschickte Auswahl an Socken ist in Japan wirklich wichtig. Viele Orte darf man mit Schuhen gar nicht betreten. Gut zu erkennen sind diese Orte häufig an entweder großen Schuhbergen vor einer Tür, Schließfächer für Schuhe oder diverse Hausschuhe in der Nähe. Das Büro in der Universität ist ein Ort, der nur barfuß betreten werden darf. In Kyonan im Gästehaus, aber auch im Suiko So gab es Hausschuhe. In Kyonan musste man vor der Toilette sogar seine regulären Hausschuhe gegen spezielle Plastikhausschuhe tauschen. Ich bin mit meinem ausgefallenen Sockengeschmack hier also durchaus an der richtigen Stelle.

preview_1064

Aber bevor es soweit ist, seine Füße zu entblößen, muss man zunächst zur Universität fahren. Mein Fahrrad habe ich schon präsentiert. Das parkt tagsüber auf dem Fahrradparkplatz direkt vor dem Gebäude. Es ist einer der kleineren Parkplätze, von denen es hier unzählige gibt. Hier gilt natürlich auch, wer zuerst kommt hat den besten Stellplatz. Manchmal ist es kurz vor neun schon sehr voll, manchmal aber erst nach zehn Uhr. Einen Rhythmus konnte ich noch nicht erkennen.

preview_1055

Über den gesamten Campus führen auch großangelegte Fahrradwege, die durch grüne Streifen markiert sind. Auch wenn hier eigentlich Linksverkehr ist, so sind Fahrradfahrer scheinbar davon ausgenommen. Auch nimmt man es hier ganz und gar nicht so genau, ob nun auf der Straße gefahren wird oder auf dem Bürgersteig, sofern dieser vorhanden ist.

preview_1054

Das Gebäude betrete ich meist durch den Vordereingang. Dort befindet sich eine Art Lobby mit einem Getränkeautomaten. Marburger Chemiestudierenden dürfte das ein wenig bekannt vorkommen.

preview_1056

Mein Büro befindet sich im 2. Obergeschoß, also auf Ebene 3. In Japan beginnt man mit der 1 für das Erdgeschoss. Für die Ausländer kann das hin und wieder zu Verwirrungen führen. Das Treppenhaus wird dank Vollverglasung von außen beleuchtet. Nachts reichen allerdings auch die Ausgangs-Schilder um den Weg zu finden.

preview_1062

Vor dem Eingang zum Büro wimmelt es nur so von Schuhen. Um ins Büro zu gelangen braucht man eine Chipkarte. Hier darf nicht jeder rein, schließlich wird hier fleißig gearbeitet. Damit keiner sein Kärtchen vergisst hängt es bei den Meisten an einer Strippe um den Hals. Ein weiterer japanischer Klassiker sind auch gefühlt hunderte Schirme. So kommt es auch, dass an jeder Ecke ein für sie vorgesehener Ständer platziert ist.

preview_1063

Im Büro angekommen, gibt es bei den meisten ein Frühstück. Das hab ich mir auch gleich abgeschaut, ich will ja auch ein bisschen dazu gehören. Es gibt zwar auch außerhalb unserer Abtrennungen Tische und Stühle, die meisten – so auch ich – verzehren ihre Speisen allerdings am Schreibtisch. Momentan ist meiner noch recht karg eingerichtet, man könnte fast von aufgeräumt sprechen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bis zum Jahreswechsel hier ordentliches Chaos produzieren werde. Das würde dann auch gut in das Gesamtbild des Büros passen – das eigentlich Labor genannt wird. Wir sind hier ja schließlich Chemiker und die gehören in ein Labor. Fakt.

preview_1059

Wenn ich zum Stempeln gehe benutze ich meistens den zweiten Ausgang – ein  zweites Paar Schuhe müsste ich deshalb mal hier deponieren. Auch hier gibt es jede Menge Schuhe und Schirme.

preview_1060

Das hintere Treppenhaus ist deutlich dunkler und einen Lichtschalter habe ich nicht gesucht und deshalb selbstverständlich auch nicht gefunden. Aufzug fahre ich generell nicht allein. Einerseits sind es nur zwei Stockwerke, andererseits könnte ich mich an der Notfall-Hotline  sicher nicht verständlich machen.

preview_1058

Am Nebeneingang ist dann auch der Verbannungsort für Raucher. Sehr selten sieht man hier mal mehr als zwei Gestalten ordentlich Luft holen. Während der Arbeitszeit Rauchen ist hier auch gar nicht so üblich. In den Gebäude herrscht seit einigen Jahren auch striktes Rauchverbot. Raucher gibt es hier dennoch genügend und man hat in jedem Konbini oder Supermarkt eine Ordentliche Auswahl an einheimischen und ausländischen Zigaretten.

preview_1057

Das Stempelbüro ist mitten auf dem Campus. Ich bin jedes mal Stolz, das ich mich nicht verlaufen habe, wenn ich wieder im Büro sitze. Zugegeben, der Weg ist nicht weit und es ist jetzt auch kein großes Kunststück, aber für mich sieht sich hier immer noch alles sehr ähnlich.

preview_1052

Wenn der tägliche Stempel absolviert wurde, so wird auch endlich was geschafft. Leider ist die technische Ausstattung nicht so optimal wie in Marburg. Die Arbeit ist daher mit noch mehr Warten verbunden, als ich es gewohnt bin. Der Antrag auf Rechenzeit wird gerade noch gestellt, wenn das klappt, kann man hier auch Ergebnisse produzieren. Bis dahin heißt es sich mit Abbildungen und Vor- und Nachbereitung beschäftigen.

Am heutigen Freitag ist ein Kooperationspartner zu Besuch, da schafft man dann auch eher nichts. Also alles halb so schlimm. Nur ganz gelassen bleiben und beschäftigt wirken. Es ist auch gar keine Schande, wenn man mal eine halbe Stunde schläft, das gehört hier eigentlich schon fast zum guten Ton.

Advertisements

2 responses to “Fröhliche Socken an der Universität

  1. Socken vom Weihnachstmann gefällig, vielleicht mit Blümchen oder BVB-Logo?

    • Ich glaube Blümchen wären auch hier eher nicht so angesagt. Ein BVB-Logo schon eher, aber RWE Socken wären mir natürlich am liebsten 😀

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s