Grüne Briefe, blaue Zettel, nicht zugestellte Pakete

Im Wesentlichen sind die Probleme die hier auftauchen identisch mit denen, die sich in Deutschland schon bewährt haben. Mit einem kleinen Unterschied sehr wohl: Sie sind auf japanisch. Wie üblich dreht sich alles ums Geld. Um genau zu sein, Rechnungen bezahlen. Im Wesentlichen sind wir da in Deutschland schon recht weit, die meisten Sachen laufen elektronisch und man hat wohl eine viel höhere Wahrscheinlichkeit den Überblick zu verlieren. Was man jedoch nicht vergessen kann, ist zu bezahlen.

Am Anfang eines jeden Monats flattert mir ein grüner Umschlag mit Absender Ibaraki University in den Briefkasten. Mittlerweile weiß ich, dass der darin enthaltene Zettel, eine Art Überweisungsträger ist. Mit diesem Schein kann man auf einer Bank das zuvor abgehobene Bargeld wieder auf ein anderes Konto transferieren. Der Vorgang ist natürlich nicht kostenlos, die Bank möchte gern ca. 300 Yen dafür haben. Trotz meines begrenzten Wortschatzes – mühelos in einer Minute abgehandelt – kann ich diese Tätigkeit allein ausführen. Mehr als Konnichiwa (Hallo), Hai (Ja), Arigato (Danke) und Saionara (Tschüß) braucht man dankbarer weise nicht.

Schlangenbildung in Baken ist nur vor dem Geldautomaten zu beobachten. Vor den Schaltern sind Sitzbänke aufgebaut. Wie beim Arbeitsamt zieht man sich eine Nummer und wertet. Je nach Anliegen muss man dabei einen der vier Knöpfe drücken. (Ich benutze den zweiten von oben.) Dieses System ist sehr sinnvoll, denn weil hier alles manuell gehandhabt wird, ist eine Bank nie leer.

Gestern hatte ich dann einen blauen Zettel im Briefkasten. Darauf stand eine Zahl und das Zeichen für Yen, also was zum bezahlen. Nicht ganz. Dank der Hilfe meiner sprachkundigen Kollegen (Ishi-san) wurde mir erleuchtet, dass es sich um ein Benachrichtigung handelt. Zwar will Tobugas mein Geld, aber noch nicht gleich. In kürze sollte mich dann ein Brief erreichen, in dem dann wieder eine Zahlungsanweisung enthalten ist. Diese wird dann aber nicht bei der Bank, sondern im Konbini bezahlt. Das gleiche sollte analog dann auch für Wasser und Strom gelten.

Eine weitere Kuriosität erwartete mich gestern Abend an meiner Zimmer-Tür. Ein Zettel von der japanischen Post. Entziffern konnte ich den Teil, der auf Englisch war: Nicht zustellbares Objekt. Ja, ich war 12:43 nicht zuhause. Aber was tun mit dem Zettel? Auch hier war ich angewiesen auf die Hilfe von Ishi-san. Seine erste Frage war, ob ich SunNet kennen würde. Das konnte ich mit ja beantworten, denn die sind ab jetzt für mein Internet zuständig. In dem Paket sollte sich also ein Router befinden. Nach einem gefühlt endlosen Telefonat von Ishi mit der Post, haben wir uns darauf einigen können, das Paket morgen bei einer Filiale abzuholen.

Verbinden werden wir den Ausflug mit einem kleinen Einkauf – wenn man schon mal unterwegs ist. Geplant ist ein Nomikai im Büro morgen Abend. Geselliges zusammen sein und flüssiges Gold den Rachen entlang laufen lassen. Am Anfang der Woche habe ich ein blaues Kärtchen erhalten, in dem wieder ein paar Zahlen standen. Schöne Zahlen, denn dieses Mal möchte mir die Universität etwas geben, nämlich meinen Bonus. Vergleichbar etwa mit Weihnachtsgeld. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass ich den Bonus vor meinem ersten Gehalt bekomme. Ich beschwere mich nicht – das wird morgen gefeiert.

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