Gesundes Neues Jahr! Happy New Year! 明けましておめでとうございます!

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Da ist es also: 2014. Und was für ein Jahr das werden wird. Ein nüchternes? Ein besoffenes? Ein glorreiches? Ein belangloses? Ein fettes oder dürres Jahr? Man weiß es nicht. Ich wünsche Euch allen nur die positiven Effekte. Möge das neue Jahr mindestens ein gesundes sein, der Rest kommt dann von alleine.

Das letzte Mahl in 2013

Mittlerweile ist die Organisation von solchen Events nicht unbedingt unbekannt für mich. Jeder der kommen will, bringt etwas zu Essen, zu Trinken oder Snacks mit. Das habe ich beim Weihnachtsessen schon erfahren (darüber werde ich noch berichtet haben). Alles wird auf dem Tisch gesammelt und geduldig gewartet, bis auch die letzten Teilnehmer da sind.

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In den meisten Fällen wird dann im Einzelnen vorgestellt, was in welchem Topf ist und wer es gemacht hat. Je nach Anzahl der Teilnehmer variieren ‘ありがとうございます’, ‘あ〜!’ und ‘お〜!’ (Danke, Ah! und Oh!) Beim Zubereiten der Gerichte für diese Anlässe, sollte man auch immer im Hinterkopf behalten, dass alles mit Stäbchen und Schüssel essbar sein sollte. Allzu kleine Gemüse-Fragmente eignen sich also nicht. Bei Nudelgerichten ist eine 20-zu-80-Verteilung zu Gunsten der Teigware zu wählen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Zeremonien sind Einmal-Essstäbchen und Papier-Geschirr. In Sachen Müllvermeidung sind hier noch Lücken zu füllen. Wenn der Beginn einer Veranstaltung für 19.00 Uhr angegeben wurde, so kann man mit einigen Verspätungen rechnen. Wenn man Essen mitbringt, das warm verzehrt werden sollte, muss das dementsprechend einkalkuliert werden.

Der Beginn des Mahl wird häufig durch Erheben signalisiert, oder legen einige die Hände zusammen. Ein Blick durch die Runde signalisiert dann Essensbereitschaft und nach einem いただきます (Itadakimasu, sinngemäß: Danke für das Essen)  und einer leichten Verbeugung stürzen sich alle ins Getümmel. Da zeitgleich aus jeder Richtung von allen Tellern, Töpfen und aus Schüsseln gegessen wird, findet der erste Ansturm meist im Stehen statt.

Countdown-Party 

Seit dem man mir erlaubt hat, mit gewisser Regelmäßigkeit mehr oder minder alkoholisierte Getränke zu konsumieren, habe ich noch keinen Jahreswechsel nüchtern erlebt. Nun, dass war dieses Jahr anders. Die Planung sah vor, später noch nach zum Tokiwa Schrein zu gehen. Das Beten am Neujahrstag ist eine japanische Tradition. Meine Frage, ob wir denn gar nichts trinken würden (auch nicht zum mitternächtlichen Anstoßen), erhielt als Antwort nur sinngemäß: Da könntest du ja auch besoffen in die Kirche gehen. Dank Konfirmandenunterricht ist mir dieses Feld nicht unbekannt. Aus Respekt vor der Kultur also Alkoholfrei.

Mit einer Beharrlichkeit wurden dann die restlichen drei Stunden des Jahres vorm Fernseher zugebracht. Ganz ohne was zu trinken zieht sich das dann auch zäh wie Kaugummi bzw. Mochi. Dabei haben wir eine Fernsehsendung geschaut, in der fünf Komiker nach allen Regeln der Kunst bloß gestellt werden. Freunde von Fäkalhumor sind da ganz gut aufgehoben. Im Groben und Ganzen konzentrierte sich die Sendung darauf, dass die fünf Komiker zum Lachen gebracht werden sollen. Jedes Mal, wenn sie gelacht haben, kamen militärisch gekleidete Menschen mit einer Gummischlange und haben jedem Komiker einen auf den Arsch gesetzt. Auch wenn man nichts versteht, ist das dann doch recht erheiternd an einigen Stellen.

Zwischenzeitlich gab es dann noch japanische Reiskuchen, die oben erwähnten Mochi (餅). Diese wurden auf einem Elektrogrill geröstet, wobei sie blähen und schließlich platzen. Außen knusprig kross und innen klebrig bis zäh, sind sie geschmacklich neutral. Diverse Zutaten wie Zucker, Sojasoße oder andere Würzmischungen sollen den Zustand endloser Fadheit entgegenwirken. Das Klebrig-Zähe verschwindet dadurch nicht und ich wäre beinahe an einem solchen Ding erstickt. Eine Erfahrung, die ich nicht wiederholen muss.

Der Jahreswechsel war dann da und es wurde laut herunter gezählt und anschließend gejubelt und gehüpft und geschrien. Körperkontakt wie Umarmungen und Schlimmeres wurde kaum hergestellt. Einige waren so verrückt und haben Handschläge ausgetauscht. Nach etwa 15 Minuten war dieser Tagesordnungspunkt abgehakt.

Wenn zirka zwanzig Leute gleichzeitig vom International House zum Schrein wollen, dann ist das mit Taxen so ein kleines bisschen ein Problem. Erstaunlicherweise standen sie jedoch um zwanzig nach zwölf – wie bestellt – parat und der Abtransport verlief erstaunlich reibungslos. Am Schrein angekommen ging es dann erst einmal auf die Suche nach dem Ende der Schlange. Spätestens jetzt hätte sich ein Glühwein gut gemacht, denn es waren etwa -5 °C und etwa ein Stunde warten stand uns noch bevor.

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Der Weg zum Schrein war mit Buden gesäumt und es gab die verschiedensten japanischen Spezialitäten. Darunter natürlich Okonomiyaki, Wurst am Stiel, frittierten oder gekochten Tintenfisch, aber auch Süßspeisen, wie Pfannkuchen, glasierte Äpfel und Bananen. Man könnte von Tortur sprechen, während man zum Schrein hin schreitet.

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Zu welcher Gottheit ich meine zwanzig Yen geworfen habe, mich verbeugt und geklatscht habe ist mir unbekannt. Auch hat mich mein eigener Gott noch nicht mit Blitzen abgestraft. Ist also alles nochmal gut gegangen. Nach dem Gebet hat man dann die Möglichkeit an anderen Ständen noch eine Glücksbotschaft zu erstehen. Eine Lotterie, was das neue Jahr so bringen möge, denn es gibt unterschiedliche Abstufungen: Von Hervorragend bis Beschissen. Die Guten soll man behalten und die Schlechten falten und am Tempel aufhängen. Nicht jede Tradition muss man gleich beim ersten Mal mit machen und eine zweite Schlange musste ich dann auch nicht haben.

Leider ging es dann doch noch mit warten weiter, denn Taxen waren zu dieser Zeit sehr rar. Auch musste man ein bisschen laufen, denn bis zum Schrein wollten sie dann auch nicht mehr fahren. Zurück im Wohnheim sollte dann endlich die Party steigen.

Nomikai

Also doch noch Alkohol. Da aber keiner da war, musste erst noch Einkaufen gegangen werden. Leider ist das keine so wirklich einfache Geschichte. Man geht da nicht einfach mal in den Supermarkt und kauft einen Kasten Bier. Hier begeben sich dann fünf bis zehn Leute zum Supermarkt und kaufen für alle ein. Dabei wird natürlich berücksichtigt welche Vorlieben und Abneigungen ein Jeder haben könnte. So hat das Einkaufen dann auch nochmal eine gute halbe Stunde gedauert.

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Der Preis für die erstandenen Güter wird dann gleichmäßig unter allen Teilnehmern geteilt und um zirka drei Uhr, endlich, gab es dann ein Entspannungsbier. Der Kampf gegen die Müdigkeit wurde dann mit Angriff auf die Leber gestartet. Was da ist, muss auch rein in den Kopf, da wird nicht lange gefackelt. Ein Trinkspiel (Video auf box.com ca. 10 MB).

Das war irgendwann nicht mehr genug und deshalb wurden die Karten ausgepackt. Ein Spiel was auf purem Zufall basiert. Jeder erhält eine Karte und je nach Anzahl der Mitspieler gibt es ein bis zwei Joker. Die geben dann anhand der Nummern Aufgaben aus. Man braucht nicht viel Vorstellungsvermögen, was da passieren kann. Japan ist ein zurückhaltendes Land, was in anderen Ländern zu dieser Uhrzeit mit diesem Pegel innerhalb von Sekunden zur Katastrophe auswachsen kann, gibt erstaunlich lange gut. Auf einem gewissen Pegel eingependelt ging es dann Richtung Ende, welches auch um sieben Uhr früh erreicht werden sollte. Der Feststellung: “Es wird hell.” Folgte: “Wir sollten schlafen gehen.” Gesagt, getan.

In diesem Sinne, alles Gute für 2014. Eure Wünsche und Träume mögen in Erfüllung gehen.

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