Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 1, Sapporo Snow Festival)

Prolog

Vom 11. bis zum 13. Februar war ich auf Dienstreise in Sapporo, Hokkaido. In diesem Beitrag werde ich versuchen einige Eindrücke zu vermitteln, die ich dort sammeln konnte. Es wird also voraussichtlich etwas mehr zu lesen geben. Gleichzeitig möchte ich noch einige ander Beiträge ankündigen, die ich aus Zeitmangel bisher noch nicht abarbeiten konnte. Der eine handelt (wird handeln) von einem Neujahrs-/Frühlingsfest, welches wir vor gut drei Wochen in der Sprachschule hatten. Ein anderer berichtet (wird berichten) vom Winter im Kairakuen-Park. Zunächst aber die Erlebnisse aus Sapporo.

6:30 Uhr Aufstehen

Dank des ungewöhnlich harten Winters in Mito und den damit verbundenen katastrophalen Straßenbedingungen war es Mori-sensei nicht möglich Yoshimura-san und mich abzuholen. Daher war frühes Aufstehen angesagt und die Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Ich war mit Yoshi um 7.45 Uhr verabredet um dann mit dem Bus bis zum Bahnhof zu fahren und Mori-sensei dann bei seinem Apartment zu treffen. Von dort aus ging es dann gegen 8.30 Uhr mit seinem Auto weiter zum Ibaraki Airport (2).

9:15 Uhr Ankunft Ibaraki Airport

Trotz unschöner Wetterverhältnisse sind wir in weniger als einer Stunde zum Flughafen gefahren. Wir waren sogar so früh dort, dass die Check-In Terminals von Skymark noch nicht freigegeben waren. Nach einer kurzen Wartezeit konnten wir dann allerdings die notwendigen Formalitäten absolvieren. Es blieb auch noch ein wenig Zeit, die Gegend zu erkunden. Der Flughafen dient auch als Militärstützpunkt – jedenfalls sah es danach aus. Etwas vom Terminal entfernt standen zwei alte (Kampf-)Flugzeuge. Es blieb anschließend noch ein wenig Zeit für Frühstück und Ausruhen.

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11:10 Uhr Abflug

Etwa zwanzig Minuten vorher startete dann die Boarding Prozedur. Alles lief hier sehr geordnet ab; keine Hektik und vor allem kein Drängeln. Im Gegensatz zu manch anderen Flügen gab es auch keine Schlangenbildung bevor nicht darum gebeten wurde. Der Ibaraki Airport ist ein sehr kleiner Flughafen – bietet aber dennoch auch internationale Flüge, z.B. nach Korea, an. Um das Flugzeug zu erreichen muss man allerdings das Rollfeld überqueren.

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12:30 Uhr Ankunft in New Chitose Airport

Der Flug dauert ungefähr 80 Minuten – um ein elektronische Gerät in Betrieb zu nehmen bleibt also nicht viel Zeit. Die Maschine war auch etwas größer als erwartet, so etwa 100 Personen werden Platz gehabt haben. Nach einem holprigen Flug sind wir gut in New Chitose Airport (2) gelandet. Nach einem kurzen Mittagessen (Ramen, らーめん) ging es weiter mit dem Expresszug zur Sapporo Station. Gegen 14.15 Uhr haben wir dann im Toyoko-Inn eingecheckt. Die Zimmer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig, daher haben wir nur unsere Sachen abgestellt. Da bis einschließlich des Tages unserer Ankunft das Sapporo Snow Festival statt fand, war die Stadt sehr stark besucht und auch alle Hotels ausgebucht. Es ist also nur verständlich, dass hier längere Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Im Hotel trafen wir dann auch zwei Mitarbeiter der Sawamura-Gruppe (unsere Kooperationspartner). Zusammen sind wir dann zum Festival Gelände gelaufen.

Schnee, überall Schnee – und nicht ein bisschen Chaos

Etwa drei Uhr haben wir das Festival Gelände erreicht. Es ist entlang einer der großen Straßen aufgebaut und beginnt beim Fernsehturm (さっぽろテレビ塔, G+,Wikipedia).

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Es gibt dort allerhand zu sehen: Vor Allem Schnee. Weil der Winter in Sapporo sehr hart sein kann und es eigentlich ununterbrochen schneit, gibt es hier eine Unterführung, die sich quer durch die ganze Stadt zieht – ein Einkaufspassage, wie man sie auch aus größeren Städten wie Frankfurt (bei der Zeil) kennt. Sie verbindet den Hauptbahnhof mit den drei Straßen- und U-Bahnen. Es gibt mehrere Ausgänge, mit denen mann dann die wichtigsten Straßen erreicht. Im Zentrum ist alles weitestgehend in Laufreichweite.

Südlich des Hauptbahnhofes erstreckt sich oberirdisch entlang dieser Passage ein Nichtraucherbezirk. Während des Gehens ist Rauchen unter Strafe gestellt. Daher findet man auch gelegentlich Raucherinseln, meist kleiner Häuschen. Auf dem Gelände des Festivals war das Rauchen auch untersagt, daher gab es hier relativ viele Raucherlounges, die von diversen Zigarettenfirmen betrieben wurden. Eigentlich ein sehr geschickter Marketing-Trick. (Merket auf liebe BetreiberInnen von Weihnachtsmärkten.)

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Während unseres Aufenthaltes hat es häufig geschneit. Es war also nicht weiter verwunderlich, dass man auch dem Gelände auf einer etwa fünfzig Zentimeter hohen Schneedecke gelaufen ist. Das hat man vor Allem an den Stellen gemerkt, an denen andere (schneefreie) Straßen gekreuzt haben. Zwar waren an diesen Punkten Ampeln vorhanden, doch widerspricht es der japanischen Mentalität, Menschenmassen sich selbst zu überlassen. Das Passieren der Übergänge wurde daher von mindestens zwei Ordnungshütern geregelt. Mit Pfeifen wird signalisiert, ob man während einer Grünphase gehen darf oder nicht. Sicherlich eine besondere Eigenart, aber auf diese Weise wird der Verkehr sehr effektiv geregelt. Der Gehorsam der japanischen Bevölkerung ist immer wieder überwältigend.

Unser erster Weg führte uns dann auch gleich zum Fernsehturm. Von der Aussichtsplattform hat man einen wunderbaren Blick über ganz Sapporo. Unter Anderem konnte man das Festivalgelände gut überblicken, aber auch bis zu den Bergen im Süd-Westen. Neben einer kleinen Bar, einem Souvenir-Stand, kostenlosem WiFi gibt es dort außerdem einen kleinen Schrein. Die Fahrt bis ganz oben kostet 700 Yen und lohnt sich in jedem Fall. Leider sind Japaner häufig in Eile, weshalb ich das Panorama nicht wirklich sehr lange genießen konnte.

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Blick über Sapporo vom Fernsehturm (WWS), im rechten Bildteil sieht man das Gelände des Sapporo Snow Festivals im Odori Park.

Der Odori-Park erstreckt sich vom Fernsehturm aus in westliche Richtung und hat eine Länge von etwa eineinhalb Kilometern. Die Laufrichtung ist auf dem Gelände jedoch vorgegeben und die Besucherströme werden von mehreren Ordnern gelenkt. Am Anfang gab es eine kleine Eisfläche, wo auch Schlittschuhe ausgeliehen werden konnten.  Sehr beeindruckend war auch die aufgebaute Snowboard-Schanze, wo wir einigen Kunstspringern noch kurz zuschauen konnten (unten rechts im Bild). Den Weg entlang zierten viel kleine Schnee- und Eisskulpturen. Die mittleren und großen Schaubilder dienten auch gleichzeitig als Bühnen. Dort fanden diverse Veranstaltungen, z.B. Tanz und Gesang, statt. Für das leibliche Wohl war auch bestens gesorgt. 

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An ausgewählten Stellen gab es zudem auch immer wieder WiFi-Hotspots, die für Touristen kostenlos waren. Auch Aufwärmräume und eine Touristen Information konnte man finden. Informationsmaterial ist (in Japan sehr häufig) in Chinesisch, Koreanisch und Englisch erhältlich. Gegen Abend wurden die großen Figuren dann in den unterschiedlichsten Farben angestrahlt. Un es herrschte ein weiterhin munteres Treiben.

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Nach etwa drei Stunden waren wir ordentlich durchgefroren und hungrig. Wir beschlossen die Erlebnisse in einer Sushi-Bar ausklingen zu lassen. Dazu sind wir wieder zurück zum Bahnhof gelaufen. In den meisten japanischen Städten ist der Bahnhof auch gleichzeitig das Zentrum. Dort findet man die meisten Restaurant und Geschäfte. Allerdings sind diese Passagen immer sehr voll und man muss Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden in Kauf nehmen. Besser als frühzeitig an Nahrungsaufnahme denken. Eine typische japanische Sushi-Bar ist sehr zu empfehlen. Wie aus Film und Fernsehen bekannt fährt das essen tatsächlich an einem vorbei und man muss sich nur bedienen. Etwas ausgefallenere Varianten kann man mit kleinen Zetteln auch bestellen. Wie immer ist Wasser und Tee frei.

Gut gesättigt ging es dann zurück Richtung Hotel. Mori-sensei musste sich zudem auch noch anderen sozialen Verpflichtungen stellen und verabschiedete sich. Der Rest der Gruppe machte sich dann auf den Weg zur Universität. Yoshi und mir musste noch der Weg erklärt werden, den wir am nächsten Tag allein finden mussten. Das gab uns auch die Gelegenheit kurz in die Räume der Sawamura-Gruppe zu blicken. Wenig überraschend roch es und sah es aus wie in einem Labor: Undefinierbare Substanzen und Geräte, vollgeschriebene Abzugsscheiben und maßlos überfüllte Schreibtische. Teilweise waren diese sogar schlimmer als mein eigener vollgepackt und wer mich kennt, weiß was das heißt.

Da am nächsten Tag unsere Vorträge anstanden ließ sich Yoshi nicht mehr zu einem Bier überreden. Das gab mir die Möglichkeit ein wenig Olympia aufzuarbeiten. Das Frauen-Curling-Spiel Süd Korea gegen Japan lief teilweise zeitgleich als Wiederholung auf drei verschiedenen Kanälen. Das waren auch genau die Kanäle, die überhaupt über die Olympiade berichten. Es war ein wahrlich debakulöser letzter Stein der japanischen Skip, weshalb sie 12-7 verloren. (Wenn man den ganzen Abend von Curling vollgedudelt wird, merkt man sich sowas.) Immerhin kam später dann noch Snowboarding, leider bin ich dabei eingeschlafen…

Der zweite Teil berichtet (wird berichten) über das Treffen der Arbeitsgruppen und der dritte Teil über den Besuch im Maruyama Zoo.

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4 responses to “Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 1, Sapporo Snow Festival)

  1. Pingback: Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 2, Arbeitsgruppentreffen) | The Daily Stamp·

  2. Pingback: Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 3, Maruyama Zoo) | The Daily Stamp·

  3. Pingback: Eine Schneeflocke macht noch keinen Winter… | The Daily Stamp·

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