Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 2, Arbeitsgruppentreffen)

Prolog

Vom 11. bis zum 13. Februar war ich auf Dienstreise in Sapporo, Hokkaido. In diesem Beitrag werde ich versuchen einige Eindrücke zu vermitteln, die ich dort sammeln konnte. Der erste Teil handelt vom Hinflug und dem Besuch des Sapporo Snow Festivals.

Zweiter Tag, 8:30 Uhr, Ausschlafen und Aufstehen

Erst um 11 Uhr wurden Yoshimura-san und ich in der Sawamura-Gruppe erwartet. Frühstück gab es bis 9:30 Uhr was einen äußerst entspannten Tagesbeginn bedeutete. Das Hotel befindet sich direkt gegenüber des Eingangs zur Hokkaido University mit Botanischem Garten. Der Weg zum Labor betrug gerade einmal fünf Minuten. Auch zum Bahnhof und dem Odori Park mit Fernsehturm dauert es gerade einmal eine viertel Stunde und die meiste Zeit kann man in der Untergrund-Passage laufen.

Nach einem ausgedehnten traditionellem japanischen Frühstück (Reis und Miso-Suppe), aber auch Milchbrötchen mit Marmelade und Kaffee, war sogar noch genug Zeit sich auf dem Zimmer ein wenig auszuruhen. In japanischen Hotels ist es häufig so, dass das Frühstück nicht beworben wird und auch nicht im Preis enthalten ist. Das Verständnis ist eher so, dass es Gastfreundlich ist, ein kostenloses Frühstück anzubieten. Ebenso ist es üblich, dass auf jedem Zimmer ein Teebereiter zu finden ist. Körperpflegeprodukte werden auch zur Verfügung gestellt – das beginnt bei Seife, geht über Zahnbürsten und Kämme bis hin zu Einwegrasierern.

11.00 Uhr In der Gruppe von Sawamura-sensei

Das Wetter war hervorragend an diesem Morgen und der Weg durch den zugeschneiten Botanischen Garten ein wahrer Genuss. Die Sonne schien und die Sicht war sehr gut. Angekommen im Labor wurde uns mitgeteilt, dass wir zunächst Mittag essen gehen. Damit hätte man rechnen können, daher hätte man beim Frühstück sich nicht ganz so vollstopfen müssen.

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Blick aus dem Fenster des Konferenzraumes der Sawamura Gruppe.

11:30 Uhr Warten vor dem Restaurant

Kein langer Weg führte uns zu der Restaurantmeile, welche direkt unter den Gleisen der Straßenbahn gelegen war. Da die Restaurant noch nicht geöffnet waren hieß es auch zunächst Platz nehmen und warten. Wenn man nicht viel Zeit hat, dann ist es besonders wichtig, dass man pünktlich zur Öffnung da ist. Meist wissen das sehr Viele und das Restaurant ist kurz öffnen der Türen bereit voll besetzt. Im Anschluss ist eine rege Schlangenbildung zu beobachten. Häufig informieren die Gastronomen über die voraussichtliche Wartezeit.

Die Japaner haben das Curry neu erfunden, in diesem Fall auch die Curry Suppe. Man findet alle möglichen Kombinationen. Auch in der Nähe der Ibaraki University ist ein sehr beliebtes Curry Restaurant namens “Coji Coji” (コジコジ). Ich hatte eines mit Huhn und viel Gemüse und einem winzig kleinen Ei. Zum Essen konnte man sich dann auch ein Lätzchen bestellen, damit man sich nicht bekleckert. Das sieht sehr putzig aus, wenn vier Erwachsene mit weißen Kleckerlappen am Tisch sitzen. Der Japaner ist da aber eher pragmatisch, was man auch daran erkennt, dass es keine Stäbchen gab. (Ausnahmsweise habe ich auch mal ein Foto gemacht, für die Foodies unter der Leserschaft.)

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12:30 Uhr Rückweg zur Universität und kurzer Umweg ins Museum

Wieder zurück durch den verschneiten Park, in dem man auf kleinen Trampelpfaden wandeln konnte. Mir gelang auch eine schöne Aufnahme von Yoshi, Mori-sensei und Sawamura-sensei (von vorne nach hinten).

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Die Hokkaido University (G+, Wikipedia) wurde von William Smith Clark als Landwirtschaftsschule Sapporo gegründet und ist eine der ältesten Universitäten des Landes. Eben jener erste Präsident prägte den Leitspruch “Boys be ambitious” (Jungs seid ehrgeizig). Sein Antlitz ist an vielen Stellen auf dem Campus zu sehen und eine Büste erinnert an ihn.

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Im Universitätsmuseum kann man viel über seine Herkunft und sein Wirken erfahren. Auch das Werk von Nobelpreisträger Akira Suzuki wird hier ausführlich gewürdigt. Leider blieb für einen ausführlichen Besuch des Museums keine Zeit, da das Mitarbeitertreffen um 13:00 Uhr beginnen sollte.

13:00 Uhr Arbeitsgruppentreffen

Wie auch schon in Chiba habe ich von den Vorträgen nicht viel verstanden, da sie hauptsächlich auf japanisch waren. Da es sich aber um ein sehr zwangloses Treffen handelte, waren viel Folien auf englisch und der Sprachwechsel häufig unproblematisch. Ich konnte also auch an den Diskussionen teilnehmen. Mein Vortrag war leider ganz am Ende der Präsentation, weshalb für eine ausführliche wenig Zeit blieb. Die Taketsugu Gruppe musste gegen 19:00 Uhr abreisen. Dennoch stieß meine Präsentation auf offene Ohren und einige offene Fragen – auch meinerseits – konnten geklärt werden. Alles in allem ein recht produktives Treffen.

20:00 Uhr Nomikai

Traditionell werden solche Treffen mit einem Nomikai beendet. Dazu sind wir mit dem Taxi nach Downtown gefahren. Den Odori Park haben wir auf passiert und ich musste zu meiner Überraschung feststellen, dass die Schneeskulpturen schon entfernt wurden. In einem traditionellen Restaurant wurden dann mehrere Speisen serviert. Dazu gab es das berühmte Sapporo Bier und später jede Menge Sake. Gegen Ende hatte ich ein Bier und vier verschiedene Sorten Sake vor mir stehen. Ich bin kein großer Fan vom Nationalgetränk, jedoch wollte ich nicht unhöflich sein und habe brav alles ausgetrunken. Das Essen war wie immer hervorragend. Es gab unter Anderem Sashimi, aber auch eine spezielle Miso Suppe nach Hokkaido Machart. Eigentlich war ich danach auch satt, aber der Ausflug ging weiter.

21:30 Uhr Nijikai (zirka)

Nach der eigentlichen Party gibt es sehr häufig eine Fortsetzung in einer anderen Bar. Das wird dann al Nijikai (二次会) bezeichnet. Wörtlich übersetzt heißt es zweites Treffen und läuft eigentlich analog zum ersten Treffen ab. Dazu sind wir in einen Mongolischen Grill gegangen und haben dort ein weiteres Bier und gegrillte Spezialitäten gegessen. Vergleichbar ist die Zubereitung etwa mit Racelette, nur das man hier einen Holzkohlegrill vor sich stehen hat. Während dieser Treffen wird sich sehr viel unterhalten, eine Daumenregel besagt, dass man einen Japaner erst abfüllen muss, bevor man mit ihm reden kann. Das ist soweit ich das bis jetzt beurteilen kann kein Vorurteil, sondern absolut wahr. Da viele Gespräche auf japanisch geführt werden, habe ich natürlich nur einen Bruchteil verstanden. Dennoch hat man versucht mich wann immer möglich einzubinden – das ist Ausdruck der japanischen Gastfreundschaft.

In der Regel wird die Rechnung im Anschluss gleichmäßig geteilt, wobei man jedoch auch auf die weniger finanzkräftigen Rücksicht nimmt. Yoshimura bekommt zum Beispiel nur ein sehr geringes Gehalt, weshalb er nur einen symbolischen Beitrag leisten soll. Auch ich als Gast habe häufig nicht den vollen Preis zu zahlen. Mori-sensei bezeichnete dies als ‘die japanische Art’. Gegen 23:00 Uhr ging es dann zurück zum Hotel, da Mori-sensei schon sehr früh am nächsten Morgen aufbrechen musste. Auch die anderen Teilnehmer haben sich entschuldigt, da sie am nächsten Tag arbeiten mussten.

23:00 Uhr Sanjikai im Hotel

Die lange Reihe mit den Treffen lässt sich bedenkenlos fortsetzten. Das ist vergleichbar mit einer bekannten deutschen (Kneipentour) oder englischen (Pub crawl) Tradition. Das dritte Treffen nennt man Sanjikai (三次会) und es ist abgeleitet vom japanischen Wort für drei (san). Diese Reihe lässt sich dann auch bedenkenlos fortsetzen.

Yoshi und ich haben uns dann im Konbini um die Ecke mit Bier und Reiskeksen eingedeckt. Bei Olympiade im Fernsehen haben wir uns bis etwa um zwei über alles Mögliche unterhalten. Wie Männer das so gerne tun hauptsächlich über Sport und ähnliches. Nachdem wir unsere Biere ausgetrunken haben war es auch Zeit schlafen zu gehen. Am nächsten Tag wollten wir um 8:30 zum Maruyama Zoo gehen. Im übrigen kann man sich gut an das japanische Bier gewöhnen, man muss halt leider etwas mehr dafür bezahlen. Es gibt auch viele Bier ähnliche Getränke, die die hohe Steuer umgehen. Nicht alle davon schmecken wirklich wie echtes Bier, aber es ist gerade bei Parties häufig sehr vorteilhaft nicht das teuerste zu kaufen.

Der dritte und letzte Teil handelt von unserem Besuch im Zoo und vom Weg zurück nach Hause.

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2 responses to “Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 2, Arbeitsgruppentreffen)

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