Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 3, Maruyama Zoo)

Prolog

Vom 11. bis zum 13. Februar war ich auf Dienstreise in Sapporo, Hokkaido. In diesem Beitrag werde ich versuchen einige Eindrücke zu vermitteln, die ich dort sammeln konnte. Der erste Teil handelt vom Hinflug und dem Besuch des Sapporo Snow Festivals. Der zweite Teil behandelt das Treffen der Arbeitsgruppen. Dies ist der letzte Teil.

Dritter Tag, 7:00 Uhr, Große Pläne

Nachdem Yoshimura-san und ich bis zwei Uhr unseren kleinen Sanjikai hatten, war die Nacht recht kurz. Schon um sieben Uhr schellte der Wecker, in diesem Fall das Telefon. Snooze. Nur noch fünf Minuten. Der Sake hat seine Spuren hinterlassen. Eine halbe Stunde später habe ich mich dann mit Mühen unter die Dusche geschleppt. Ziel war einerseits Körperpflege, andererseits Schmerztherapie und zu guter Letzt natürlich wach werden. Das hat soweit geklappt und pünktlich zur verabredeten Zeit fand ich mich acht Uhr beim Frühstück ein. Yoschi sah frisch und fröhlich aus. Gut gestärkt und mit Kaffee voll gepumpt haben wir unsere sieben Sachen gepackt und ausgecheckt. Bis zum Abflug hatten wir ungefähr sechs Stunden Zeit und diese wollten wir im Maruyama Zoo (Wikipedia) verbringen.

9:00 Uhr Aufbruch ins Abenteuer

Der Zoo ist etwas außerhalb des Zentrums gelegen und schließt sich dem Namen gebenden Maruyama Park an. Dazu ist es notwendig, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Sehr praktisch sind hier IC Karten, die man mit Guthaben bestückt und durch auflegen die Schranke passieren kann. Man spart sich daher das anstehen am Automaten um eine Fahrkarte zu erwerben, aber auch das lästige heraussuchen des Preises. Meine habe ich von Mori-sensei bekommen.

Die Gleise sind komplett mit Stahltüren abgeriegelt. Selbstmord ist in Japan immer noch ein großes Problem, schließlich ist hier auch der Selbstmörderwald. An den Gleisen läuft alles wie gewohnt ohne Hektik und mit großer Ordnung ab. Oftmals bilden sich an den Toren bereits Schlangen. Das hier jemand einsteigt bevor der Letzte die Bahn verlassen hat ist undenkbar. Eine Tugend, die ich mir in Deutschland oft gewünscht habe. Die U-Bahn-Fahrt bis zum Maruyama-koen dauert ungefähr zwanzig Minuten inklusive einmal Umsteigen. Wenn man den ganzen Tag Zeit hat, kann man gemütlich durch den Park bis zum Zoo schlendern. Der direkte Weg beträgt immerhin eineinhalb Kilometer und ist bei Schnee und Eis nicht ganz so flott passierbar.

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10:00 Uhr Im Zoo

Das Gelände ist nicht besonders groß, hält dafür aber viele verschiedene Tiere. Nachteil ist dann natürlich, dass diese nicht viel Platz haben. Artgerechte Haltung sieht anders aus. So groß meine Freude auch war mal wieder in den Zoo zu gehen, so schnell ist sie dann aber auch verflogen.  Ich teile ein paar Bilder, um im gewissen Maße einen Eindruck zu vermitteln. Im folgenden Beispiel sieht man zwei gehörnte Tiere (ich habe nicht die blasseste Ahnung welche) die auf ungefähr zwanzig Quadratmetern existieren müssen.

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Die Giraffen durften sich draußen aufhalten, was ich für ein tropisches Tier sehr seltsam fand. Offenbar hat man sie jedoch an die Kälte gewöhnen können. Viel Platz blieb ihnen auch nicht und die zwei Exemplare waren räumlich sogar voneinander getrennt.

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Der Affenhügel sieht auf den ersten Blick noch recht geräumig aus, jedoch sollte man hier in Betracht ziehen, dass die meisten Artgenossen gerade am Futtertrog waren. Ich schätze, auf diesem kleinen Gebiet leben bis zu vierzig Affen. Da es sich um eine Japanische Spezies handelt sind diese von Natur aus an die Kälte gewöhnt. In manchen Gebieten sind die Makaken sogar Schädlinge, die vertrieben werden und das Füttern unter Strafe steht.

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Ich könnte noch eine Weile so fortfahren, aber das erspare ich mir und auch meiner Leserschaft. Einzig den Reptilien würde ich eine annähernd artgerechte Haltung nachsagen. Auch konnte man viele Zeichen von Lagerkoller sehen. Eine Hyäne rannte stets und ständig die gleichen fünf Meter an der Stallwand ab. Der Eisbär schritt seinen Berg pausenlos ab, dafür hatte er aber auch nicht mehr als zehn Meter platz. Bei den Schimpansen konnte man Spuren von Exkrementen an den Scheiben sehen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Alles in Allem möchte ich den Ausflug doch zumindest als lehrreich bezeichnen, wenn auch nicht im streng positiven Sinne.

Gegen 11:30 Uhr haben wir uns dann auf den Weg zurück zum Hotel gemacht um unsere Sachen abzuholen, den Weg bis dahin haben wir deutlich unterschätzt. So trafen wir als alles erledigt war dann auch zum letzten möglichen Zeitpunkt wieder am Bahnhof ein.

12:55 Uhr Abfahrt Sapporo Station

Im Bahnhof sind die Einstiegszonen auf dem Fußboden markiert und man stellt sich dort in einer Reihe auf, bevor der Zug überhaupt eingefahren ist.Wir hatten nunmehr nur noch knapp eineinhalb Stunden bis der Flieger abheben wird. Eine halbe Stunde würde die Zugfahrt dauern. Check-In und Sicherheitsüberprüfung würden also etwas hektischer ablaufen. Zudem mussten wir auch noch Souvenirs kaufen. Da ich aber hier und jetzt schreibe, kann man davon ausgehen, dass alles geklappt hat. Nicht unbedingt gemütlich, aber immerhin.

Nach Ankunft am Ibaraki Airport (16:00 Uhr) hieß es dann Bus fahren. Mori-sensei musste ja schon viel früher zurück, daher war auch sein Auto nicht mehr da – nicht dass uns das geholfen hätte. Nach vierzig Minuten Fahrtzeit, gegen 17:20 Uhr, erreichten wir Mito Station. Der letzte Bus brachte uns dann zurück zur Universität. Gegen 18:30 Uhr war ich dann endlich zu Hause. Das letzte Stück war doch etwas Kräfte zehrend.

Beim nächsten Mal auf ‘The Daily Stamp’: Heiße Mütze, Sonnenbrille und noch mehr Schnee! (Man könnte meinen es wäre Winter.)

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2 responses to “Im Kühlschrank des Kaiserreiches (Teil 3, Maruyama Zoo)

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