Einmal Tochiga und zurück bitte.

Als der Wecker um 4.30 Uhr am vergangenen Freitag klingelte, war ich mir nicht mehr ganz so sicher ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Aber es ging schließlich um Skifahren und das Ticket war schon bezahlt und wach war ich auch, was sollte da schon schief gehen. Bloß nicht wieder einschlafen. Für gewöhnlich reicht es dann aus, wenn ich die Vorhänge öffne, das geht sogar noch im Liegen. Aber auch im Land, wo die Sonne eine Frühaufsteherin ist, war zu dieser Zeit noch kein erhellender Effekt sichtbar. Dann also doch raus aus den Federn und unter die Dusche gequält.

Etwa eine dreiviertel Stunde später, einen Kaffee wärmer und ein Sandwich satter, habe ich mich auf den Weg zur Universität begeben. Dort sollte der Bus um 6 Uhr eine Horde Gaijin einsammeln. Obwohl ich mich am Vortag schon mit ausreichend Nahrungsmitteln versorgt hatte, bin ich unterwegs kurz im Konbini eingekehrt. Ein frischer Reisball ist eben ein frischer Reisball und schmeckt eben wesentlich besser als einer vom Vortag. Besser als zu Hungern ist es ja auch, wenn man ein wenig mehr mit an Bord hat.

Überpünktlich stand dann auch der Bus an vereinbarter Stelle. Die Mito City International Association (MCIA) hat diesen Ausflug zum Edelweiß Ski Resort (G+) organisiert. Zunächst war ich mir gar nicht so sicher ob ich wirklich fahren sollte, denn keiner aus meinem hiesigen Freundeskreis wollte sich erweichen lassen mich zu begleiten. Ganz ohne Bekanntschaften war ich dann aber doch nicht; Marie, Mori-senseis Frau, und ihre Philippinischen Freundinnen und Freunde waren mit von der Partie. Manchmal muss man auch mal was ausprobieren und schließlich kann man so ja auch wieder ganz viele neue Menschen kennen lernen.

Der Bus war mit etwa 30 Personen bestückt, wovon alle bis auf die Reiseleitung Gaijin waren. Ein paar einführende Worte vorab und los ging die Fahrt. Runde 150 km nord-westlich gelegen war unser Ziel, das Gebirge im Norden der Präfektur Tochigi. In Japan kann diese Entfernung auch schon mal eine kleine Ewigkeit dauern, ich erinnere nur an den Ausflug nach Chiba. Ein Großteil der Strecke führt durch die im Landesinneren liegende Ebene. Erst kurz vor Ende schraubt sich der Bus dann runde 1500 Meter in die Höhe. Nicht alle Passagieren ist das so gut bekommen. Etwa drei Stunden später fanden wir uns auf dem Parkplatz des kleinen Edelweiß Ski Resort wieder.

Klein, aber fein: Ein Restaurant, eine Ausleihstation und eine Skischule, dazu ein paar Lifte. Nichts wirklich weltbewegendes, aber doch eine ganz andere Welt. Für viele der Mitreisenden war es das erste Mal auf einer Piste. Das Beste war eigentlich, dass man auch alles vor Ort direkt ausleihen konnte. Einzig eine Mütze und eine Sonnenbrille sollte man mitbringen. Der Gesamtpreis für einen Tag Ski-Rutschen ungefähr 10.000 Yen (一万円, rund 75 Euro) hat sich aber voll und ganz bezahlt gemacht.

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Anreise und Ausrüstung: 10.000 Yen; Mütze: 2.000 Yen; Brille: 1.000 Yen; Ein Tag auf der Piste: Unbezahlbar.

Gegen 10 Uhr waren dann alle eingekleidet, ein Gruppenfoto und ab auf die Piste. Für alle Anfänger gab es auch kostenlosen Ski-Unterricht. Das Aufwärmprogramm habe ich noch mitgemacht, dann war eigenständiges Erkunden angesagt. Dafür war ich dann doch ganz auf mich allein gestellt. Von den fünf vorhandenen Skiliften waren drei in Betrieb. Der größte davon tuckelte etwa zehn Minuten nach oben. Das Wetter war hervorragend, weshalb man die Zeit auch so sehr gut genießen konnte.

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Die Skipisten waren weitestgehend leer, ja teilweise sogar gänzlich verwaist. Hin und wieder war auch mal der Sessel vor oder hinter mir besetzt. Etwa zwei Stunden hat es gedauert, danach habe ich fast jede Abfahrt einmal befahren.

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Die hier angegebenen Schwierigkeitsgrade entsprechen nicht dem, was in einem Alpen Ski Gebiet verwendet wird. Grün und rot sind mühelos für Anfänger geeignet (Blau), die in schwarz dargestellten Pisten könnten möglicherweise als Fortgeschritten gelten (Rot).

Weniger das Skifahren selbst, als das Erlebnis der Berge stand heute im Vordergrund. Von einem Hang aus hatte man einen perfekten Blick auf die gegenüber liegenden Berge. Da die Piste komplett leer war, konnte ich auch bequem abschnallen und gemütlich ein paar Bilder knipsen. Man stelle sich solchen Unfug mal in den Alpen vor!

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Ausnahmsweise eine fast ‘überfüllte’ Piste.

Dann war es auch langsam Zeit sich zu verköstigen. Im Restaurant traf sich die ganze Meute dann wieder. Zur Belohnung gab es Miso-Ramen (ミソラーメン) und ein Sapporo Bier. Schließlich war ja Urlaub und ein Bier auf der Baude gehört da einfach mit dazu.

Am Nachmittag habe ich dann Mari und ihre Freundin Lie (der genaue Name wurde mir gar nicht mitgeteilt) eingesammelt und bin mit Ihnen auf den großen Lift den Berg hinauf. Die folgende Abfahrt haben die beiden dann größtenteils auf dem Hosenboden verbracht, als Anfänger ist das ja auch total normal. Ein paar hilfreiche Tipps konnte ich dann doch noch geben, so dass die beiden am Ende anhalten konnten ohne hinzufallen. Als Skilehrer bin ich aber voll und ganz ungeeignet. Ich glaube bei allem was ich gesagt habe kam nur mehr Verwirrung ins Spiel. Spaß hat es trotzdem gemacht und wir haben unterwegs auch viel gelacht.

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Ein bisschen Zeit für ein bis zwei Abfahrten war nach meinem Lehrversuch noch. Die Abfahrt des Busses war leider schon für 3:00 Uhr angesetzt. Mit gutem Gewissen kann ich jetzt sagen, dass ich jede Piste mindestens einmal gefahren bin. Dann musste es alles plötzlich ganz schnell gehen, denn die zehn minütige Liftfahrt habe ich etwas unterschätzt. Zirka zehn Minuten blieben mir dann noch zum Abgeben der Ausrüstung. Mit nur fünf Minuten Verspätung sollte ich dann auch für lange Zeit der Erste und Einzige am Bus sein. Alles nicht so schlimm, so konnte ich das Panorama noch ein wenig länger genießen.

Eine größere Version des Panoramas ist in 'der Box' zu finden. (Widget auf der rechten Seite.)

Blick von der Skipiste aus. Eine größere Version des Panoramas ist in ‘der Box’ zu finden. (Widget auf der rechten Seite.)

Dann schraubte sich der Bus wieder die 35 Serpentinen und etwa 1500 Höhenmeter in die Tiefe. Die meisten Reisenden waren deutlich erschöpft. Einer kurzer Stopp musste dennoch sein: Souvenir-Shopping. Auch eine sehr japanische Tradition. Egal wohin man fährt, egal wie lange man weg ist, es gehört zum guten Ton den Freunden und Kollegen etwas mitzubringen. Dabei handelt es sich in der Regel um Süßigkeiten oder Sake. Manchmal kann das auch ganz schön teuer werden.

Gegen 19:00 Uhr haben wir die Universität wieder erreicht. Logischerweise kann man an einem Freitag um diese Zeit davon ausgehen, dass noch alle Kollegen im Büro sind. Kurzentschlossen habe ich dann die Souvenirs auch gleich abgeliefert. Müde und erschöpft machte ich mich dann auf den Weg in Richtung Bett, am Samstag morgen sollte es ja schließlich wieder in die Sprachschule gehen.

Epilog: Sofern nicht noch ein Schneesturm über Japan hereinbricht, soll es auch der letzte Bericht für diesen Winter sein. Die Pflaumenblüte steht unmittelbar bevor und ist hier in Mito ein Großereignis. Die Feierlichkeiten haben am 20. Februar im Kairakuen begonnen und läuten somit den Frühling ein.

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